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UEFA Nations League – Turnier mit Pflichtspielen statt Tests für Nationalmannschaften

Mit der UEFA Nations League will der europäische Fußball Verband ab 2019 neben der Europameisterschaft ein weiteres Turnier mit Pflichtspielen für Nationalmannschaften etablieren. Der Wettbewerb wurde als Ersatz für Freundschaftsspiele, die in der Öffentlichkeit häufig einen negativen Eindruck hinterlassen, entwickelt und bietet eine zusätzliche Möglichkeit zur EM-Qualifikation. Auf das Aufeinandertreffen von Topteams dürfen Sie sich bereits zum Turnierbeginn garantiert freuen.

Modus und grundsätzliche Struktur der UEFA Nations League

Generell besteht die UEFA Nations League aus vier Ligen, die wiederum jeweils in vier Gruppen unterteilt sind. In den Gruppenspielen treffen teilweise drei und ansonsten vier Mannschaften aufeinander. Alle 55 Nationalmannschaften, die dem europäischen Fußballverband angehören, dürften an der Nations League teilnehmen. Diese Teams werden nach ihrer Stärke in die Ligen eingeteilt. Die erfolgreichsten Nationalmannschaften Europas treten deshalb in der UEFA Nations League A gegeneinander an. In der Liga D ermitteln wiederum die Auswahlen, die in der jüngeren Vergangenheit am schlechtesten abgeschnitten haben, einen Sieger. Ab 2019 findet das Turnier im Zweijahresrhythmus statt.

Nations League

Die 24 besten Nationalmannschaften spielen in der Nations League A und B jeweils in vier Gruppen mit drei Mitgliedern. Eine Dreiergruppe und drei Vierergruppen bilden wiederum die Liga C. In der UEFA Nations League D besteht hingegen jede Gruppe aus vier Teilnehmern. Für die Gruppenzuteilung in der ersten Saison wird die Koeffizientenrangliste des europäischen Kontinentalverbands herangezogen. Der 15. November 2017 ist das Stichdatum für die UEFA Nations League 2018/19. Somit gelten die Ranglistenplätze, die sich die Nationalmannschaften nach dem Abschluss der Qualifikationsrunde für die Weltmeisterschaft 2018 erarbeitet haben. Bei der Auslosung für die Nations League stehen laut der UEFA die Durchführbarkeit des Turniers und die sportliche Fairness im Mittelpunkt. Jeder Gruppensieger aus den drei unteren Spielklassen der Nations League qualifiziert sich für die nächsthöhere Liga. Die Gruppenletzten steigen hingegen jeweils ab, insofern Sie nicht bereits der D-Liga angehören. Dementsprechend gibt es in der Nations League A insgesamt vier Absteiger, während in allen anderen Spielklassen in den vier Gruppen zudem dieselbe Anzahl von Nationalmannschaften aufsteigt. In der folgenden Ausgabe des Wettbewerbs tritt jede Auswahl, die den Klassenerhalt geschafft hat, genauso wie in einer Vereinsliga wieder in derselben Division an. Somit existiert generell keine Qualifikation für die UEFA Nations League. Denn dieser Zweck wird bereits ab der zweiten Spielzeit durch die Vorsaison erfüllt.

Einfluss der UEFA Nations League auf die Zusammensetzung und Planung von Europameisterschaften

Grundsätzlich spielt die UEFA Nations League für alle Teilnehmer der Europameisterschaft eine sehr wichtige Rolle. Denn die Gesamttabelle des Wettbewerbs entscheidet darüber, welchen Lostöpfen die Teams vor dem bedeutendsten Fußballturnier Europas zugewiesen werden. Darüber hinaus vergibt die UEFA in der Nations League ab 2020 die letzten Plätze für die Europameisterschaft. Während in der eigentlichen Qualifikationsrunde für die EM neben dem Gastgeber lediglich 19 teilnehmende Auswahlen ermittelt werden, belohnt der europäische Fußballverband vier Nationalmannschaften für ihr gutes Abschneiden in dem anderen Turnier. Nach dem Abschluss der regulären Qualifikationsspiele erhalten insgesamt 16 Teams die Chance, durch den erfolgreichen Abschluss eines Play-off-Turniers doch noch einen der begehrten EM-Endrundenplätze zu erreichen.

Vor allem die Fußballfans in Europa profitieren davon, dass der Qualifikationsmodus für die EM übersichtlicher und etwas spannender wird. Denn aus zehn Qualifikationsgruppen werden sich zukünftig schlicht die beiden bestplatzierten Nationalmannschaften aus jeder Gruppe direkt für die Europameisterschaft qualifizieren. Dieser Modus funktioniert jedoch nur dann, wenn so wie 2020 kein einzelner Gastgeber automatisch als Teilnehmer feststeht. Gruppendritte haben in diesem Fall keine Chance, sich über die reguläre EM-Qualifikation ein Ticket für die Endrunde zu sichern. Wer einen der letzten vier Plätze für das Turnier erreichen möchte, darf vollkommen unabhängig von der Platzierung in der normalen Qualifikationsgruppe nur noch auf die UEFA Nations League hoffen.

Darüber hinaus wirkt sich der neue Wettbewerb des europäischen Kontinentalverbands auch auf den Terminplan der Qualifikationsrunde für die Europameisterschaft entscheidend aus. Denn die Auslosung für die Qualifikationsgruppen beginnt erst nach dem Abschluss der Gruppenphase der Nations League. Dadurch erhält die UEFA die Möglichkeit, die Teilnehmer des Final Four Turniers zu entlasten. Denn diese vier Nationalteams werden ausnahmslos in Qualifikationsgruppen mit insgesamt fünf Mannschaften gelost. Im Gegensatz zu Nationalmannschaften aus einer Sechsergruppe profitieren die Finalturnier-Teilnehmer der Nations League in der EM-Qualifikation davon, dass an zwei Spieltagen pausiert wird, während die anderen vier Mitglieder der Gruppe gegeneinander antreten. Diese freien Qualifikationsspieltage nutzt die UEFA für das Final Four Turnier.

Zusätzliches Qualifikationsturnier für die Endrunde der EM

Die komplette reguläre Qualifikationsphase der Europameisterschaften wird zukünftig im Jahr vor dem Hauptturnier ausgetragen. Zur Vergabe der vier letzten Tickets, die ausschließlich über die UEFA Nations League vergeben werden, kommt es dann erst im EM-Jahr. In allen vier Nations-League-Divisionen wird ein Startplatz für die Europameisterschaft ausgespielt. Somit steht fest, dass auch zwei Nationalmannschaften aus den schwächeren Ligen C und D bei der Endrunde dabei sind. Die Endrundenplätze vergibt der europäische Fußballverband in jeder Division im Rahmen eines eigenständigen Play-off-Turniers. Diese kleinen Qualifikationsturniere werden im K.-O.-Modus mit einem Halbfinale und einem Finale ausgerichtet. Prinzipiell geht das Regelwerk davon aus, dass alle Gruppensieger die Play-off-Plätze einnehmen. Vor allem in der Liga A wird es unter realistischen Umständen jedoch nur sehr selten vorkommen, dass der Erstplatzierte einer Gruppe aus der Nations League in der regulären EM-Qualifikation gegen schwächere Konkurrenten versagt.

Insofern der Gruppenerste bereits für die Europameisterschaft qualifiziert ist, rückt daher die Mannschaft, die laut dem Ranking des Wettbewerbs in der jeweiligen Spielklasse am besten platziert ist und noch kein Ticket für die EM-Endrunde gelöst hat, nach. Sobald weniger als vier Nationalteams aus einer Liga noch nicht als Teilnehmer der Europameisterschaft feststehen, nimmt stattdessen eine Nationalmannschaft aus der tieferen Division am Play-off-Turnier der höherklassigen Teams teil. Bei diesen kleinen Qualifikationsturnieren tritt immer die Auswahl, die im Ranking am besten positioniert ist, im Halbfinale gegen den Vierten derselben Rangliste an. Dabei genießt der Erstplatzierte genauso wie der Zweite im Duell mit dem Dritten Heimrecht. Es gibt ebenso wie im Finale, bei dem im Voraus über das Heimrecht bestimmt wird, kein Rückspiel. Wer das Endspiel in einer der vier Play-off-Runden gewinnt, sichert sich einen der letzten Plätze für die folgende Europameisterschaft.

Auslosung und Termine der ersten Ausgabe des neuen Turniers für Nationalteams

An insgesamt sechs Spieltagen werden die Gruppenspiele der UEFA Nations League ausgetragen. Daher müssen die Teilnehmer gegen alle anderen Mitglieder einer Gruppe jeweils ein Hin- und Rückspiel absolvieren. Die Gruppensieger aus der A-Liga qualifizieren sich für das sogenannte Final Four. Dieses Finalturnier setzt sich aus zwei Halbfinalspielen und einem Endspiel zusammen. Die beiden Paarungen im Halbfinale werden ausgelost, während das Exekutivkomitee den Gastgeber des Turniers festlegt.

Bei der ersten Ausgabe der Nations League werden die Gruppenspiele an drei Doppelspieltagen veranstaltet. Dabei wird 2018 die komplette Gruppenphase im September, Oktober und November innerhalb von lediglich drei Monaten ausgespielt. Daraufhin spielen die vier Gruppensieger der Liga A im Juni 2019 das Finalturnier aus. Zu den vier Play-off-Runden, bei denen auf der Basis von Erfolgen in der Nations League die letzten Teilnehmer für die Europameisterschaften ermittelt werden, kommt es im März 2020. Somit greifen Mannschaften, die in der normalen Qualifikation gescheitert sind, drei Monate vor dem EM-Start dank des neu eingeführten Wettbewerbs nach einem letzten Strohhalm. Ein Jahr vor der Weltmeisterschaft 2022 beginnt voraussichtlich die zweite Spielzeit der Nations League. Inwiefern sich das Turnier dann auf die WM-Quaifikation auswirken wird, ist noch nicht endgültig geklärt.

Gründe für die Einführung und Entstehungsgeschichte des Wettbewerbs

Mit der Gründung der UEFA Nations League und weiteren Veränderungen bei der Organisation von Länderspielen will der europäische Fußballverband sowohl die Qualität als auch den Stellenwert des Nationalmannschaftsfußballs auf dem Kontinent stärken. Vor allem der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini drängte wegen dieser Ziele auf die Einführung eines zusätzlichen Wettbewerbs für Nationalteams aus Europa. Zahlreiche nationale Verbände haben vor der Gründung der Nations League im Dialog mit der UEFA ebenfalls den Wunsch geäußert, ein neues Turnier einzuführen, um die Bedeutung von Länderspielen im Vergleich zum Vereinsfußball zu erhöhen. Zudem drückten Spieler, Fans und Trainer ihren Unmut aus, weil die vielen Freundschaftsspiele während einer Saison über keinen echten Wettbewerbscharakter verfügen und darum teilweise sogar als Zeitverschwendung kritisiert wurden.

Die offenen Diskussionen und eingehenden Beratungen zur Planung der UEFA Nations League begannen im Jahr 2011, als in Zypern ein Strategie-Meeting der europäischen Kontinental-Konföderation stattfand. In den folgenden Jahren organisierten die verantwortlichen Funktionäre im Rahmen des Top Executive Programms zahlreiche Treffen von Experten. Der schnelle Fortschritt dieser Gespräche zur Entwicklung einer UEFA Nations League ist vor allem den Generalsekretären der nationalen Verbände zu verdanken. Darüber hinaus war die UEFA-Kommission für Nationalmannschafts-Wettbewerbe aktiv an den Diskussionen beteiligt. Weil die UEFA bei sogenannten TEP-Treffen in der Heimat von bedeutenden Mitgliedsverbänden verschiedene Ansichten einfließen ließ, ist die Nations League das Ergebnis von Verbesserungsvorschlägen aus ganz Europa. Die Meinung von Nationaltrainern und Verantwortlichen aus dem Vereinsfußball wurde bei der Arbeit am Regelwerk des neuen Wettbewerbs genauso berücksichtigt.

Vorteile des Turniers aus der Sicht der verschiedenen Beteiligten

Alle Nationalmannschaften profitieren davon, dass sie sich in der UEFA Nations League einer großen sportlichen Herausforderung stellen dürfen und es nicht zu so vielen Freundschaftsspielen kommt, die sich nur bedingt für eine effektive Vorbereitung auf Europa- und Weltmeisterschaften eignen. Darüber hinaus erhalten nun relativ schwache Mannschaften die Chance, im Duell mit Nationalauswahlen desselben Niveaus Geschichte zu schreiben und zur Endrunde der EM zu reisen. Durch den Modus ist sichergestellt, dass eine der 16 am schwächsten eingestuften Mannschaften auf jeden Fall die Chance erhält, als Teilnehmer der Europameisterschaft für Überraschungen zu sorgen. Nachdem sogenannte Fußballzwerge bisher in Pflichtspielen meistens Niederlagenserien gegen überlegene Teams einstecken mussten, bestehen nun in der UEFA Nations League beim Aufeinandertreffen mit gleichwertigen Kadern realistische Siegchancen. Dadurch ergibt sich für die kleinen Verbände die Chance, in einem fairen Wettbewerb die eigene Nationalmannschaft zu entwickeln und möglicherweise irgendwann aus dem Schatten der großen Fußballnationen zu treten.

Weil die erstklassigen Topteams der UEFA Nations League in kleineren Gruppen mit drei Mannschaften antreten, haben diese Nationalauswahlen an jedem dritten Spieltag spielfrei und genießen daher weiterhin mehr Freiheiten bei der Planung von Freundschaftsspielen gegen Fußballgiganten aus anderen Kontinentalverbänden. Es wird somit beispielsweise immer Zeit für die Ansetzung von Testspielen zwischen Deutschland und Brasilien oder Argentinien bleiben, solange das DFB-Team in der Nations League A die Klasse hält. Freundschaftsspiele gegen europäische Topteams werden hingegen seltener notwendig sein, weil es durch den besonderen Modus ohnehin häufiger zu diesen Begegnungen kommt. Die unmittelbare Vorbereitung auf Welt- und Europameisterschaften wird von der UEFA Nations League ohnehin nicht beeinflusst. Denn die Länderspieltermine in den Wochen vor dem jeweiligen Turnierstart hält der europäische Fußballverband auch in Zukunft für die Planung von Freundschaftsspielen frei. Hohe Einnahmen durch den Verkauf von Stadiontickets und TV-Gelder sind logischerweise weitere Vorteile, die für die Verbände aus Fußballnationen mit diesem neuen Wettbewerb verbunden sind. Darüber hinaus gibt es jetzt für europäische Spitzenteams neben dem Konföderationen-Pokal der FIFA nicht nur für den amtierenden Welt- und Europameister ein hochklassiges Vorbereitungsturnier.

Ein genau terminierter Spielkalender ist für alle nationalen Verbände eine positive Begleiterscheinung der UEFA Nations League. Der Kontinentalverband nimmt den nationalen Verbandsfunktionären die Mühe, die mit der Planung von Tests verbunden ist, ab. Außerdem sind die finanziellen Einnahmen für die Verbände nun leichter kalkulierbar. Denn jede Nationalmannschaft weiß bereits nach einem Klassenerhalt oder einem Auf- und Abstieg, welcher Nations League sie bei der folgenden Ausgabe des Wettbewerbs angehören wird.

Für alle Fußballfans in Europa dürfte die UEFA Nations League mit besonders erfreulichen Entwicklungen einhergehen. Denn die zahllosen Freundschaftsspiele sorgten bei den Zuschauern aus einer Vielzahl von Gründen für Verärgerung. Es ist gängige Praxis, dass Nationalspieler sich bereits bei äußerst geringen Beschwerden von Testspielen abmelden. Oft vereinbaren National- und Vereinstrainer sogar miteinander, einen Spieler bei einer Partie ohne Wettbewerbscharakter wegen der Belastung in Vereinswettbewerben zu schonen. Am Ende bleibt dann in zahlreichen Fällen bestenfalls eine B-Elf auf dem Spielfeld übrig. Aus diesem Grund sind sogenannte Klassiker dann nicht einmal ansatzweise mit dem Aufeinandertreffen bei einem Turnier vergleichbar. Wenn das Publikum im Stadion keine Stars zu sehen bekommt und unkonzentrierte Nationalspieler bereits an das nächste Pflichtspiel mit dem Verein denken, führen Testspiele manchmal sogar zu einem Schaden für das Image eines nationalen Verbandes. Diese Probleme dürften mit der Einführung der Nations League beseitigt sein. Es ist unwahrscheinlich, dass Nationalmannschaften ein Turnier, das die Qualifikation zur Europameisterschaft ermöglicht, nicht ernst nehmen. Außerdem müssen Fans wegen der Regeln der UEFA Nations League meistens nicht mehr zum Teil Jahrzehnte warten, bis große Rivalen endlich wieder in einem Pflichtspiel aufeinandertreffen. Zugleich wird der Fußball vielleicht in der Heimat einiger Fußballzwerge beliebter, weil Stadionbesuche nicht mehr so wahrscheinlich mit unvermeidbaren Niederlagen verbunden sind.

Laut der UEFA führt die Nations League keineswegs zu einer höheren Belastung für Vereine und Spieler. Denn die Spieltage des neuen Wettbewerbs werden in den internationalen Spielkalender, der sich grundsätzlich nicht wirklich verändert, integriert. Obwohl es stimmt, dass die Verletzungsgefahr für die Spieler von internationalen Topklubs bei brisanten Pflichtspielen höher ist, profitieren kleinere Vereine hingegen oft sogar von einer Entlastung. Nationalspieler, die bisher als Ausnahmespieler von Fußballzwergen dauerhaft gegen stärkere Teams aufliefen und hierbei ihre Kräfte verbraucht haben, müssen sich in der UEFA Nations League nicht mehr ständig unlösbaren Aufgaben stellen. Auch wenn Topklubs sich beschweren, macht dieser Wettbewerb den Vereinsfußball daher möglicherweise sogar etwas gerechter.